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Ad fontes – zu den Quellen

Peter Sieve mit einer Kopie aus dem Cloppenburger Schatzungsregister.

 

Vechta. Wer kennt das nicht? Abschreiben ist immer schneller und einfacher als selbst etwas zu erarbeiten. Viele kennen das aus ihrer Schulzeit oder ihrem Studium. Die Folgen können manchmal gravierend sein, so manche prominente Person ist schon darüber gestolpert, wenn sich später herausstellte, dass Doktorarbeiten in Teilen abgeschrieben waren. Doch Abschreiben gibt es leider auch im Berufsleben. Journalisten kennen das, auch Historiker. Gerne verlässt man sich auf ältere Recherchen oder Forschungen, vor allem, wenn die Autoren bekannte Größen sind. Nicht umsonst heißt es deshalb für alle, die ihr Handwerk sauber ausüben wollen: „Ad fontes“ (= zu den Quellen). Anhand eines Steuerregisters des Amtes Cloppenburg aus dem späten 15. Jahrhundert, das Generationen von Heimatforschern als Grundlage diente, kann Peter Sieve, Archivar des Bischöflich Münsterschen Offizialates, zeigen, warum es gut ist, sich unmittelbar mit dem Original zu beschäftigen. Denn er hat jetzt herausgefunden: Das Register ist jünger als gedacht.
Steuerlisten der Landesregierungen gehören zu den meistgenutzten historischen Quellen in den Archiven, weiß Sieve. Da sie vielfach in die Zeit vor Beginn der Führung der Kirchenbücher zurückreichen, sind sie insbesondere für die Familienforschung, die Sozialgeschichte und die Namenkunde von unersetzlichem Wert. Nach dem alten Wort für Steuer werden sie als Schatzungsregister bezeichnet. Das von ihm jetzt bearbeitete Schatzungsregister gilt als das älteste des Amtes (in etwa heute der Landkreis) Cloppenburg. Die 36-seitige Kladde liegt im Landesarchiv in Oldenburg. In ihr sind 3.753 Personen aufgeführt, die exakt 208,5 Gulden Steuern zu entrichten haben. Für die Wissenschaft stand immer fest, dass dieses Register 1473 erstellt worden sei. Georg Sello (1850-1926), Leiter des Großherzoglichen Haus- und Zentralarchivs in Oldenburg, war der erste, der diese Datierung vornahm. Zahllose Veröffentlichungen, Aufsätze oder Familienstammbäume berufen sich unkontrolliert auf dieses Datum. Selbst Peter Sieve war davon ausgegangen, als er 1981, damals als siebzehnjähriger Schüler, eine vollständige Edition des Schatzungsregisters erstellt hatte (erschienen als Heft 6 der „Roten Reihe“ des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland).

Schatzungsregister noch einmal bearbeitet

Im vergangenen Jahr, 35 Jahre nach seinem ersten Kontakt, hat er sich im Rahmen einer Digitalisierungsarbeit erneut intensiv mit der Quelle beschäftigt und die Handschriften sorgfältig verglichen. Dabei kam heraus, dass die bisher übliche Datierung des Schatzungsregisters von 1473 auf das Jahr 1498 – d.h. 25 Jahre jünger - korrigiert werden muss. „Deswegen muss jetzt keine Geschichte neu geschrieben werden. Und da sich auch kein Alter eines Ortes im Landkreis Cloppenburg ändert, muss auch kein Jubiläum verschoben oder nachgefeiert werden“, beruhigt Sieve. Aber, so meint er, diese Erkenntnis habe durchaus Folgen für die regionale Geschichtsschreibung. Denn viele Ortschroniken wie z.B. die von Cloppenburg, Friesoythe oder Löningen berufen sich bei demografischen Aussagen auf diese falsche Zahl. Auch das vor wenigen Jahren erschienene Oldenburgische Ortslexikon, zentrales Handbuch für Heimatforscher, arbeitet damit. Einzelne Abhandlungen wie z.B. „Die Bevölkerung der Stadt Cloppenburg von der zweiten Hälfte des 15. bis um die Mitte des 17. Jahrhunderts“ des Heimatforschers Bernhard Riesenbeck, erschienen im Oldenburger Jahrbuch 41 (1937), gehen von falschen Werten aus. Schmerzhaft, meint Sieve, mag es für viele Höfe und Familien des Landkreises Cloppenburg werden. Denn sie verlieren ihre angebliche erste Erwähnung im Jahr 1473 und müssten eigentlich ihre Stammbäume umarbeiten. Wie solche Fehler verhindert werden können? Da gibt es nur eins, weiß der Kirchenarchivar. „Nicht immer nur abschreiben, sondern gründlich sein und selbst an die Quellen gehen. Ad fontes.“ 


Artikel vom 11.07.2017





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